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„Alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird.“ 1. Timotheus 4,4
Das ist uns doch allen klar, oder? Natürlich ist alles, was Gott geschaffen hat gut. Er sagt es doch. Nach jedem Schöpfungstag bewertet Gott das, was er geschaffen hat, mit „gut“ (1. Mose 1). Wo ist also das Problem?
Das Problem beginnt da, wo neben das schlichte und befreiende Wort des Evangeliums andere Inhalte gestellt werden. Sie sind auf den ersten Blick nicht unbedingt verkehrt, haben scheinbar biblische Wurzeln und treffen den Nerv derer, die auf der Suche nach Wahrheit sind. Der erste Timotheusbrief nennt an dieser Stelle ein Heiratsverbot sowie Speisevorschriften (V.3) – beides Dinge, die asketische Züge tragen und vermutlich nur Beispiele für eine längere Liste mit Ver- und Geboten zur Askese waren. Darauf kommt der Verfassen in V.8 noch einmal zu sprechen, wenn er ziemlich scharf formuliert: „…die leibliche Übung ist wenig nütze …“. Er beharrt darauf, dass es nichts weiter braucht, als das Vertrauen auf Jesus Christus, um von Gott angenommen zu sein. Um Gott gnädig zu stimmen, braucht es keinen Verzicht unsererseits. Gott ist bereits gnädig, bevor wir an ihn denken (Römer 5,8). Was uns in Gottes Augen „annehmbar“ macht, hat Christus längst am Kreuz getan. Nein, religiöse Leistungen sind nicht nötig. Kein Fasten, kein Zölibat, kein Einhalten von Riten und Gebräuchen. Es ist völlig ausreichend, dass sich ein Mensch auf die Gnade Gottes verlässt.
Dabei ist Fasten an sich nichts Schlechtes. Auch der Stand der Ehelosigkeit kann einen Menschen frei machen für den Dienst an anderen. Das ist keine Voraussetzung, aber eine Möglichkeit.
An dieser Stelle wird uns bewusst, wie genau mitunter die Dinge zu unterscheiden sind, wie leicht aus einer guten Möglichkeit ein Gebot und aus einem hilfreichen Gedanken ein Diktat wird. Auf der Strecke bleibt die Freiheit (Galater 5). Und gerade sie ist wertvoll. Nicht nur für uns Menschen. Auf für Gott ist es von Wert, dass wir Menschen frei sind. Wir alle können uns vorstellen, dass es schwer erträglich ist, wenn man nur gezwungenermaßen geliebt wird, weil es eben geboten ist. Das ist keine Liebe. Liebe ist es, wenn jemand auch ganz anders könnte, sich aber um meinetwillen für mich entscheidet.
Dass wir diese Freiheit haben, ist Gott wichtig. So will er geliebt werden. Nicht durch das zwangsweise Einhalten von Vorschriften, nicht durch zähneknirschenden Gehorsam, dem alles zu einer bitteren Last wird, sondern durch fröhlichen und freiwilligen Gehorsam, der sich selber gern hingibt und aufgibt – und gerade darin wieder beschenkt wird. Dann empfangen wir dankbar. Und daran ist wahrlich nichts Verwerfliches.
Pastor Ingo Schaper |