September 2017:
 

Und siehe, es sind Letzte, die werden die Ersten sein, und sind Erste, die werden die Letzten sein.  (Lukas 13,30)

 

Wer spät kommt, ist darauf angewiesen, dass ihn jemand hereinlässt.

Wenn das große Stadttor von Jerusalem aufgrund der hereinbrechenden Nacht geschlossen war, konnte man noch durch die kleine Türe daneben hereingelassen werden. Jemand musste die verschlossene Türe von innen öffnen.

Von innen öffnet auch der Hausherr die Türe, wenn spät in der Nacht noch unangemeldet Besuch kommt. Personen, die er nicht erkennt, wird er zu so später Stunde nicht mehr hereinlassen. Jesus antwortet mit diesen beiden Vergleichen auf die Frage eines Mannes „sind es wenige, die ins Himmelreichkommen?“ Was hat der Mann mit seiner Frage gewollt oder vermutet? Vielleicht, dass Jesus zu ihm sagt: „Ja, es sind wenige und Du bist dabei!“

Die Tür zum Reich Gottes kann nur von innen geöffnet werden, so wie ein bei Nacht verschlossenes Stadttor oder Haus. Menschen, die meinen, dass sie sich ihren Eintritt sicher verdient haben, haben sich verrechnet. Sie können sich nicht einfach Zutritt verschaffen. Durch Leistung oder Wohlverhalten lässt sich die Türe nicht von außen öffnen. Der Hausherr lässt ein. Er allein entscheidet, wer in seinem Haus bleiben darf. Zu gerne wollten einige Menschen von Jesus hören, dass sie bei ihm einen besonderen Platz einnehmen, waren sie sich selbst doch schon längst sicher, dass es so ist. Jesus nimmt diese unverschämte Selbstsicherheit, mit der sich Menschen breit machen und andere verdrängen. Menschen, die sich selbst den ersten Platz einräumen, bekommen hier einen Spiegel vorgehalten. Ein mahnendes Wort: Deine Rechnung geht nicht auf. Letzte werden Erste sein und Erste Letzte. Die, von denen keiner gedacht hat, dass sie einen Platz in Gottes Reich haben werden, die werden eingelassen: von Ost und West, von Nord und Süd. Nein, wenige sind es nicht, die selig werden!

Aber die, die sich für die Ersten bei Gott halten, die sollten vorsichtig sein. Es kommt darauf an, den Hausherrn wirklich zu kennen, mit ihm in Kontakt, in Beziehung zu sein.

Andere, die sich selber zu den Letzten zählen oder von ihren Mitmenschen an diesen Platz verwiesen werden, dürfen aufatmen. Bei Gott ist es anders: Er stellt sich in Christus solidarisch zu den Letzten und lässt sie in seiner Liebe den ersten Platz einnehmen. Gut für alle, die sich auch zu den Letzten stellen. Die sich denen zuwenden, die die Gesellschaft nach hinten oder unten, eben auf die letzten Plätze drängt. Gut für alle, die sich nicht breitmachen und die besten Plätze für sich beanspruchen, sondern ihre Aufmerksamkeit und Liebe den Letzten widmen. Sie müssen sich nicht um die unwichtige Tatsache sorgen, ob viele oder wenig selig werden. Sie sind jetzt schon selig, weil Christus in den Armen und Schwachen schon immer ganz nah bei ihnen ist.

 

Prof. Dr. Andrea Klimt
Theologische Hochschule Elstal