Die ersten drei Menschen, die am 29. 7. 1847 auf ihr Bekenntnis hin in Frankfurt (Oder) von G. W. Lehmann getauft wurden und sich zur Gemeinde der gläubig getauften Christen zählten, waren das Ehepaar Platz (wohnhaft Richtstr. 16) und Fräulein Wostrack, die später nach Forst in der Lausitz heiratete. Missioniert hatten in Frankfurt (Oder) und in der Umgebung G. W. Lehmann und Eduard Metzkow von der Gemeinde Berlin Schmidstraße. So waren diese und andere in Frankfurt und der Umgebung getauften Christen lange Jahre als Station ein Zweig dieser Berliner Gemeinde.

Der Kampf um die staatliche Anerkennung als Religionsgemeinschaft (Korporationsrecht) war mit vielen Demütigungen und auch Verfolgungen verbunden. Gleiche Rechte der Predigt, Taufhandlungen, Amtshandlungen wie Eheschließungen, Beerdigungen usw. - wie sie die großen Kirchen hatten - wurden den Predigern trotz staatlich zugesicherter Glaubensfreiheit versagt. Mit der verachtend gedachten Bezeichnung Baptisten (Täufer) geschah ein Wechsel zum Erkennungsmerkmal, das keineswegs demütigend empfunden wurde. Auch das unerfüllte Bemühen um die staatliche Anerkennung als Religionsgemeinschaft verzögerte nicht das Wachsen der Gemeinde in Frankfurt (Oder). Die Gemeinde Berlin Schmidstraße erhielt das begehrte Korporationsrecht nach langwierigen Verhandlungen und Anträgen 1879; aber nur mit ihren Stationen, die 2 Meilen im Umkreis lagen. Frankfurt (Oder) war darin nicht eingeschlossen und koppelte sich 1877 zur eigenen Selbständigkeit (mit bereits 201 Mitgliedern) ab. Die eigenen Anträge der Frankfurter Gemeinde auf Korporationsrecht hatten nach jetzigen Recherchen nie Erfolg. Aber die 1930 beantragten und genehmigten Körperschaftsrechte des Bundes der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinden (BEFG) für sich und seine Gemeinden konnte auch die Frankfurter Gemeinde in Anspruch nehmen.

Durch die Verlagerung der Schwerpunktarbeit der Frankfurter Gemeinde aus der Oderstadt hinaus und predigerlose Zeiten gab sie zwischen 1890 und 1922 ihre Selbständigkeit auf, obwohl in Frankfurt (Oder) auch während dieser Zeit immer Versammlungsstätten bestanden. Die Frankfurter Gemeindemitglieder und auch die der umliegenden Orte waren als Station nacheinander Mitglieder der Gemeinden Küstrin-Tschernow, Eberswalde und Berlin Gubener Straße. 1922 erfolgte eine formelle selbständige Gemeinde(wieder)gründung in Frankfurt (Oder) mit Stationen. Bis auf die kurze Zeit 1945/1946 hatte nun diese Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (EFG) auch eigene Prediger, die wieder in Frankfurt (Oder) wohnten.

Schon immer zählten zum Gemeindegebiet nicht nur die Oderstadt, sondern nördlich, östlich und südlich weit verzweigte Stationsgebiete und Stubenversammlungen (oft über 10 Stationen), was zu Teilungen bzw. Neuaufteilungen des großen Arbeitsfeldes führte. Immer war die Mitarbeit der Gemeindemitglieder auch im Predigtdienst notwendig, denn nur in begrenzten Zeiträumen war es möglich, einen 2. Prediger bzw. Gemeinde-/Missionshelfer anzustellen. Einfache Arbeiter traten durch intensives Bibellesen, aufmerksames Zuhören, wenn ein Prediger sie einmal besuchte, und Gespräche zu Bibeltexten aus ihrem Berufsstand heraus, gaben ihr angeeignetes Wissen an andere weiter, wurden zu Säulen in der Gemeinde und somit zu Handlangern Gottes. So war es möglich, auch in Zeiten, wo die Menschen kaum bzw. nicht regelmäßig durch einen Prediger erreicht wurden, ein beachtliches Wachsen der Gemeinde zu erreichen. Zusammenkünfte zu Taufen, Erntedank, Jahreswechsel u. a. wurden zu größeren Festen, an denen man „auftankte“ und bewusst Gemeinschaft pflegte; denn für manche musste es für eine lange Zeit reichen.

Die Gemeinde Frankfurt (Oder) beteiligte sich aktiv an der Lausitz-Mission des Bundes der EFG und wurde dadurch auch gesegnet; hatte Mitte der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts fast 480 Mitglieder und viele Gemeindefreunde, die die Gottesdienste und Veranstaltungen besuchten. Der Tod vieler Menschen und die „Völkerwanderung“ durch den 2. Weltkrieg hatte auch Auswirkungen auf die EFG Frankfurt (Oder), deren Stationen östlich der Oder durch die veränderten Grenzen wegfielen. Außerdem verlor sie Gemeinderäume und Predigerwohnung mit allen Ausstattungen durch Zerstörung.

Ein Neuanfang war in Frankfurt (Oder), Lindenstraße 5 möglich. Das Grundstück konnte bis 1992 zur Miete und danach als Eigentum genutzt werden. Auch in Gusow wurde 1992 ein eigenes Gemeindehaus eingeweiht. Neue Stationen kamen im Oderbruch dazu. In manchen Orten wurde die Arbeit inzwischen durch Wegzug von Mitgliedern auch wieder eingestellt. Die Station Eisenhüttenstadt konnte 1990 in die Selbständigkeit entlassen werden, so dass die höchste Mitgliederzahl der EFG Frankfurt (Oder) nach 1945 im Jahr 1950 mit 282 Mitgliedern (davon 158 in Frankfurt) noch nicht wieder erreicht wurde.

Pastoren und Gemeindeschwestern, die in der EFG Frankfurt (Oder) wirkten, waren in zeitlicher Reihenfolge: E. Metzkow, G. W. Lehmann, F. Zeschke, C. Jahr (27 Jahre - die längste Zeit), H. Becker (Tschernow), W. Strauchmann (Neubischofssee), J. F. Harnisch (Seelow), F. Pahlke (Tschernow), F. Steinau (Küstrin), H. Ziehl (Küstrin), H. Flügge (Ebersw.), G. Gieselbusch (Berlin), F. Hellwich (Berlin), F. Lüllau, Paul Lorenz, Magda Thurau (Diakonisse), R. Kormannshaus, Minna Lettau (Diakonisse), Helene Peters (Diakonisse), Tschischak, A. Etschel, D. Matson, J. Neubauer, J. Rehr, W. Jung, H. Wilde, Christa Grundemann (Gemeindeschwester), H. Müller und M. Schramm.

Trotz der verschiedenen juristischen Zugehörigkeiten bzw. Selbständigkeiten der EFG Frankfurt (Oder) im Laufe der Zeit fasste der Gemeinderat den Beschluss, 1957 100 Jahre Gemeindearbeit in Frankfurt (Oder) zu feiern. Dieser Beschluss war auch die Grundlage für weitere Jubiläen und 150 Jahre Gemeindearbeit in Frankfurt (Oder) und Umgebung 2007.

Die Gemeinde hat viel Grund zur Dankbarkeit, was im Rückblick auf eine lange, bewegte Zeit im Auf und Ab und doch Festhalten und Getragenwerden deutlich wird. Eine umfangreiche Chronik der Gemeindearbeit der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Frankfurt (Oder) mit heimatgeschichtlichem Bezug im politischen Zeitgeschehen u. historische Tondokumentationen stehen ab September 2007 zur Verfügung.